Die Bäume weinen um Regen

Die Bäume weinen um RegenDer Impuls zum Schreiben dieses Romans ging von einem Ereignis aus, das etliche Jahre zurückliegt. Im Wintersemester 1982/83 nahm die in der Nähe Tübingens lebende Autorin an einer Lehrveranstaltung des Romanisten Heinrich Kohring an der Universität Tübingen teil. Thema des Seminars war das Judenspanische, die Sprache und Literatur der Sefarden. Sie erkannte ein Lied wieder, das sie, in Bruchstücken nur, von ihrer Großmutter in Erinnerung hatte. Der Gedanke, die Geschichte ihrer Familie aufzuschreiben, ließ sie von da an nicht mehr los. Jetzt dieses Buch. Es zeigt sich herbstlich. Darauf deutet schon die Gestaltung des Umschlags hin: ein verwelktes Blatt, ein zerbrochener Armreif mit zum Teil leeren Fassungen, zwischen den auseinander gebrochenen Hälften eine Brosche mit einem der herausgebrochenen Steine. Das alles auf einem Hintergrund von herbstlich verfärbten Blättern wilden Weines, die sich wie in einer Ferne zu verlieren scheinen. Von diesem Bild geht ein direkter Verweis zum Inhalt des Romans. An einem Herbsttag kehrt die Erzählerin an den Ort ihrer Kindheit im Coburgischen zurück und durchlebt wie in einem Alptraum noch einmal die Geschichte ihrer Familie. Es ist in erster Linie die Geschichte Doreths, der weiblichen Hauptfigur, die sich während des Ersten Weltkriegs zu selbstverantwortlichem Handeln emanzipiert hat. Sie entscheidet sich zeitlebens für die Schwächeren und zögert darum auch nicht, Existenz und Leben aufs Spiel zu setzen, als es gilt, ihre sefardischen Verwandten vor der Verfolgung durch das NS-Regime zu retten.

In knapper, kraftvoller Sprache zeichnet die Autorin ein Sittenbild dörflichen Lebens, vor allem während der NS-Zeit, vor dessen Hintergrund sich das Schicksal Doreths erfüllt, beschreibt die schleichende Unterwanderung des Dorfes mit dem braunen Gift und die zunehmende Ausgrenzung und Einengung derjenigen, die sich auf Grund anständiger Gesinnung und familiärer Bindung nicht vereinnahmen lassen, an existentiell bedeutsamen Stellen Bilder von großer Prägnanz einsetzend, welche die zwingende Logik, mit der sich das Geschehen entwickelt, vorausahnen lassen. Dazwischen Naturschilderungen von eindringlicher Leuchtkraft, die dann oft in dramatischen Szenen münden, wenn unter dem Deckmantel der Idylle jäh das Böse hervorbricht.

Retardierende Momente zwischen all den dramatischen Auftritten sind die Schilderungen dörflichen Brauchtums und ländlicher religiöser Feste im Jahreskreislauf, frei von der Umdeutung und Instrumentalisierung durch die Nazis sowie die Aufhellung durch reichlich Lokalkolorit jener Gegend. Dazu eine Fülle von Insiderwissen, wie es nur derjenige haben kann, der die letzten Kapitel dieser authentischen Geschichte hautnah miterlebt hat.

Ein nachdenkliches Buch. Ein später Abgesang auf eine Zeit, die vielleicht so mancher gern abgehakt hätte, die aber für immer lebendig gehalten werden sollte. Noch rechtzeitig zu den Gedenktagen im November ist das 320 Seiten starke Buch im Verlag Bucheinband.de Ines Neumann, Berlin, erschienen und für Euro 17.90 im Buchhandel erhältlich (ISBN 978-3-938293-20-1).

Genealogie der Romanfiguren

(Download pdf) mit Foto
(Elsa trägt auf dem Foto ein Medaillon mit dem Bild von Johann. Dieses Bild ist ein Ausschnitt aus einem größeren Foto, das im Garten der Kommandantur in Metz in der Festung aufgenommen worden war. Im Roman wird das Foto von Doreth und Elsa im Kapitel »Endlich ein Brief von Johann« auf den Seiten 101 unten und 102 oben beschrieben. Das Foto ist während des Ersten Weltkriegs (1917 oder 1918) aufgenommen und zeigt Doreth im Alter von etwa 37 und Elsa im Alter von 14 Jahren.)

Bestellmöglichkeiten

Das Buch kann über den Verlag, die Autorin oder buchhandel.de bezogen werden.
Erhältlich auch bei Amazon.

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